„Bosbach begeistert beim VS-Forum?”

„Bosbach begeistert beim VS-Forum?”

Kommentar zum Artikel im Südkurier vom 10.05.2016

 

-Martin Rothweiler-
Stellvertr. Sprecher
AfD Kreisverband SBK
Stadtrat Villingen-
Schwenningen

Herzlichen Glückwunsch Herr Bosbach!

Der Südkurier hat Ihnen und der einstmaligen Volkspartei eine fast komplette Titelseite für die Lokalausgabe des Südkuriers Villingen-Schwenningen spendiert! Hut ab! Werbeanzeigen in diesem Format sind üblicherweise im höheren vierstelligen Bereich angeordnet und werden – nicht ganz ohne Grund –   normalerweise mit dem Vermerk “Anzeige” versehen. Zumindest in den Kulturkreisen in denen man Wert auf eine saubere Trennung der “Vier Gewalten” legt und bei denen der “Embedded”-Journalismus noch weniger zum Alltagsgeschäft gehört.

Nicht so, wenn die Werbeveranstaltung vom Bundestagsabgeordneten Thorsten Frei (CDU) in gemeinsamer Kooperation mit dem Südkurier organisiert wird. Übrigens derselbe Thorsten Frei der auch für das letzte 85 Milliarden umfassende Griechenland-Paket abgestimmt hat.

Bei all den zahlreichen ehrwürdigen und auch strittigen Publizisten und Wissenschaftlern die es zum Thema “Zuwanderung” in jeglicher politischer Schattierung gibt, ist es nüchtern betrachtet schwer nachvollziehbar warum gerade Herr Bosbach zum Thema referiert. Vielleicht liegt es daran, dass er “witzig“, “charmant” und “ehrlich” ist, wie Herr Geiling in seinem Artikel propagiert? Gehören gehäufte “Attributierungen” nicht eher zum Werkzeugkasten eines Werbekaufmanns als zum Instrumentarium eines Journalisten? Aber ich stimme Herrn Geiling teilweise zu: Im Vergleich zu anderen rhetorischen Kampfgockeln wie Jens Spahn oder Guido Wolf ist Wolfang Bosbach wahrlich ein angenehmer Mensch und Diskussionspartner mit guten Manieren.

“Kapazitäts-Grenzen”, “Kontrollverlust”, “Gefälschte Pässe”, “Nein zur Euro-Rettung” und “gesteuerte Zuwanderung” gehören zu einer politischen Grammatik, bei der eine neuere Partei in Deutschland von der Presse seit drei Jahren kontinuierlich mit der Nazi-Keule malträtiert wird. Herr Bosbach aber darf das. Er fungiert als das “nette Gesicht” der scheinbaren “Hardliner” der CDU, oder der “Realisten” wie er von  Geiling umworben wird: “Er ist kein Rebell, er ist einer der sagt, was ist“.

Auf einen Ausflug in die Theorie des radikalen Konstruktivismus sei hier verzichtet, aber eben mit dieser letzten Aussage die auf jegliche indirekte Rede und Konjunktivform verzichtet, stellt sich der Verfasser des Artikels implizit nicht nur ideologisch auf die gleiche Linie, sondern hält sogar eine Art Verteidigungs-Plädoyer, welches der erfahrene Anwalt Mosbach eigentlich auch ohne boulevardistische Untermalung ganz gut alleine hinbekommen hätte.

Es sei “Ein großes Glück in Deutschland geboren zu sein”, meinte Bosbach.  Ach!? Es gibt also noch Patrioten in der CDU? Aber was würde ein Schweizer, Norweger, Südkoreaner oder Kanadier darüber denken? “Mensch, habe ich aber Pech gehabt, dass ich nicht in Deutschland geboren bin?” Und würden die 300.000 Obdachlosen, sechs Millionen Arbeitslosengeldbezieher und über zwei Millionen armutsgefährdete Kinder in Deutschland das auch so sehen?

“Einer, der Politik so erklärt, dass man sie versteht” und “Bosbach, ein Vollblut-Politiker” und “Bosbach ist Profi”, schwärmt der Redakteur. Als Geilings Chef bei dessen Amtsantritt noch verkündete: Die Zukunft der Regionalzeitung liegt in der Nähe, nicht in der Ferne” ging ich nicht davon aus, dass damit die Nähe zur CDU gemeint sein könnte.

Fairerweise ergänzt der Redakteur noch zur Person Bosbach ein paar Hintergrundinformationen und gibt dem Leser die Information mit, dass Bosbach auch im ZDF Fernsehrat vertretet ist, welcher ja laut Verfassungsgerichtsurteil unter übermäßigem Einfluss der Regierungsparteien steht. Dies dürfte wenigstens teilweise seine gelungene Inszenierung und Starrolle in den Medien erklären. Warum er jetzt aber auch noch auf lokaler Ebene als Ehrenretter der CDU inszeniert wird, ist mir (noch) schleierhaft.

Die Strategie ist klar: Bosbach will diejenigen enttäuschten “Realos” in der CDU auffangen, die auf dem Absprung (nach mitte-rechts) sind und somit dafür sorgen, dass Frau Merkel alternativlos durchregieren kann.

Bei aller Kritik bin ich aber auch zuversichtlich. Zuversichtlich, dass sich die Wähler nicht mehr länger von diesen strategisch positionierten „Rebellen” blenden lassen und lieber die wirkliche Alternative wählen. Zudem bin ich zuversichtlich, dass auch Herr Geiling bis zum nächsten Interview wieder zu seiner ursprünglichen Form des kritischen, objektiven und hinterfragenden Journalisten zurückfindet, ohne Zweifel! Spätestens beim nächsten Interview mit der AfD? Ich habe aber auch nichts dagegen wenn er dann dabei genauso glücklich und euphorisch lächelt wie auf dem Pressebild im o.g. Artikel mit Herrn Bosbach ;-).

Ach so, könnte das Lächeln vielleicht auch etwas damit zu tun haben, dass der Südkurier mit dem Journalisten-Preis der CDU-nahen Konrad-Adenauer-Stiftung geschmeichelt (=ausgezeichnet) wurde?

Mit freundlichen Grüßen