Strategische Zielplanung – Interkulturelle Qualifizierung

Strategische Zielplanung – Interkulturelle Qualifizierung

Beschlussvorlage 1182 vom 26.07.2017

Stellungnahme Martin Rothweiler

Stellvertr. Sprecher
AfD Kreisverband SBK
Stadtrat Villingen-
Schwenningen

Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister, geehrtes Gremium

Die gesamte Beschlussvorlage der heutigen Sitzung umfasst über 600 Seiten. Die mühsamsten Seiten waren aber nicht die 596 Seiten über die anderen anstehenden bautechnischen Entscheidungen, sondern genau jene vier kurze Seiten über die angeblichen strategischen Bedürfnisse unserer Verwaltung und des Kulturamts.

Vier Seiten voller Scheinprobleme, leeren Worthülsen und politischen Schlagwörtern, die mir eines verdeutlicht haben: Wir beide leben tatsächlich in Parallelgesellschaften: Als jemand, der in der „normalschaffenden“ Welt lebt und arbeitet, ist es fast unmöglich nicht an den Paraphrasierungen der hier

kulturschaffenden“ und „verwaltenden Welt“ zu verzweifeln. Mir könnte diese Parallelwelt eigentlich egal sein, würde nicht der „normalschaffende“ die „kulturschaffende“ und verwaltendende Parallelwelt finanzieren dürfen!“

Bei so viel vorausgeschobener Kritik lohnt es sich ins Detail zu gehen und sich die Sätze der Beschlussvorlage genauer zu analysieren:

Sie schreiben in der SWOT-ANALYSE über folgende Schwächen:

„Es gibt kein multifunktional zu nutzendes ‘Haus der Kulturen’ oder Projekträume, die für Bedarfe verschiedenster Gruppen / interkultureller Arbeit bereitstehen.“

Aber doch meine Damen und Herren, bei genauem Hinschauen gibt es sogar viele Häuser der Kulturen: Tonhalle, Theater am Ring, Volkshochschule, bald das Jugendkulturzentrum usw…. da kann man kulturell, interkulturell, multikulturell, monokulturell, bikulturell, oder wie es einem beliebt, feiern und Kultur leben und gestalten. In meinem Sportclub gibt es Italiener, Amerikaner, Mexikaner, blauäugige bio-deutsche sowie Russen und keiner hat jemals Bedarf an „nicht vorgeprägten Räumen“ angemeldet.

Den Begriff der „nicht vorgeprägte Räume“ sehe ich – als Mensch mit Migrationsgeschichte – zum ersten Mal im Leben und zwar in Ihrer Beschlussvorlage, da ist die Rede von:

„nicht vorgeprägten Räumen, die über alle relevanten Ortsteile verteilt sind • Neuschaffung oder Umnutzung vorhandener Räume“

Was meint man mit „nicht vorgeprägten Räumen“? Bedeutet das, dass man seine eigene Prägung, die man über Jahre, Jahrzehnte, Jahrhunderte hinterlassen hat, nun neutralisiert, um Platz zu machen für „neue Prägungen“ wie sie es ausdrücken?  Welche Prägung denn? Waren die vorgeprägten Räume nicht gut genug? Kein Mensch wird in Villingen an der Entwicklung seiner Ausprägungen gehindert.

Die Personalpolitik berücksichtigt bei Stellenbesetzungen zu Führungspositionen nicht ausreichend Menschen mit Migrationsgeschichte.“

Also doch ein subtiler Aufruf zum Quoten-Migranten in der öffentlichen Verwaltung?! Im Extremfall – also überspitzt dargestellt- gilt nun doch Hautfarbe vor Qualifikation? Oder ist es ein Eingeständnis, dass Sie bisher ausländische Bewerber bei gleicher Qualifikation nicht berücksichtigt, also absichtlich diskriminiert haben? Entschuldigen Sie bitte, aber das kann ich nicht Ernst nehmen. Und das, obwohl ich selbst als Mensch mit multiplem Multikulti-Hintergrund (und noch viel mehr meine Frau mit ausländischem Pass) von so gezielter Menschen- und Migranten-Selektiererei profitieren würde.

Weiter heißt es:

„Qualifizierte und kontinuierliche Kontaktpflege zu Menschen mit „Migrationsgeschichte“ findet auf administrativer Ebene kaum statt,“

Ja! Das steht da so.

Meine Damen und Herren, Sie sehen hier vor sich einen Migranten, 1/3 seines Lebens als Migrant herumgewandert, sie könnten mich auch als Rotationseuropäer bezeichnen. 2 Kontinente, 5 Länder, 4 Sprachen, wahrscheinlich habe ich mehr Migrationshintergrund als Kollegin Cangür oder Signore Piovano und sie dürfen alle ungehindert „Kontake mit mir pflegen“, wie es in der Vorlage heißt. Und auch zu Frau Cangür pflegen Sie gelegentlich Kontakte und selbst der Herr Oberbürgermeister hat, sagen wir mal, zumindest binnendeutschen Migrationshintergrund. Und wir haben es tatsächlich geschafft uns alle hier zu treffen, ohne Strategie-Papier, ohne Kulturamt und ohne über sogenannte vorgeprägte Räume nachzudenken.

Spätestens beim nächsten Satz wird aber deutlich, wo genau der Schuh drückt und warum seitenweise mit moralisierenden Worthülsen auf die Tränendrüsen gedrückt wird:

Das Kulturamt möchte mehr Geld!

Es heißt wörtlich:

„Auf der Arbeitsebene fehlt es bei den Kulturschaffenden an Ressourcen (Räumen, Personal, Budget, Kompetenzen) zur Vermittlung kultureller Inhalte an Menschen mit Migrationsgeschichte“.

Verschonen wir bitte den Steuerzahler mit solchen Worthülsen und verträumten Betüttelungs- und Bespaßungsphantasien!

Chemie- und Physiksäle in unseren Schulen verrotten, Infrastruktur vergammelt, Rentner gehen Flaschen sammeln und wir sitzen hier und zerbrechen uns den Kopf, wie wir den absoluten Fetisch der Multikulti-Sekte zelebrieren. Und das obwohl Multikulti bei mir, bei Ihnen allen, in Villingen, mit über 130 Herkunftsländern längst über Jahrzehnte gelebte Lebensrealität ist.

Für so etwas haben mich die Wähler und Steuerzahler nicht gewählt.

Sorgen wir bitte dafür, dass Kultur-und Sozialwissenschaften ihre gute Reputation nicht vollständig verlieren und verzichten Sie in Zukunft bitte auf das Herbeizaubern von Scheinbedürfnissen.

Besten Dank!

Martin Rothweiler

Pressspiegel dazu:

http://www.schwarzwaelder-bote.de/inhalt.villingen-schwenningen-elif-canguer-wovor-habt-ihr-angst.a56d8181-d90f-45fd-a3e3-d12be9d1476b.html