Tendenziöse Attributierung in deutschen Printmedien: Putin vs. Obama – eine linguistische Analyse

Tendenziöse Attributierung in deutschen Printmedien: Putin vs. Obama – eine linguistische Analyse

 

Stellvertr. Sprecher AfD Kreisverband SBK Stadtrat Villingen- Schwenningen

-Martin Rothweiler- 02.04.2016

Das Schlagwort „Lügenpresse“ schaffte es im Jahr 2014 zur Kür des „Unwort des Jahres“. Böse Zungen behaupten ja „getroffene Hunde“ würden bellen. Andere hingegen verteidigen diese Kür mit dem Verweis auf unfaire Pauschalverurteilungen der Presselandschaft durch „ungebildete Populisten“.

Notwendig ist sicherlich eine möglichst sachliche Konfrontation und Auseinandersetzung mit der Entwicklung unserer „Vierten Gewalt im Staate“. Der Kampf um Kampfbegriffe artet in eine unüberschaubare Guerilla aus Aufklärung und Gegenaufklärung aus. Wohl aus niederen Instinkten der Vorwärtsverteidigung wurde von den Altparteien wieder vorschnell die Nazikeule ausgepackt. Die Angeklagten verlauteten, das Wort Lügenpresse sei „dem Geist des Nationalsozialismus“ entliehen. Dabei wurde es von konservativen Katholiken im frühen 19-ten Jahrhundert genauso verwendet wie von den Sozi-Schurken in der DDR, oder der sogenannten „modernen“ Linken im 21. Jahrhundert. Journalismus sollte bissig und anstrengend sein und auch Journalismus-Kritik darf gerne genauso bissig wie anstrengend sein. Ich kann dieses überzogene Harmonie-Bedürfnis an dieser Stelle nicht wirklich nachvollziehen. Die Kür zum Unwort des Jahres kann jedoch, überspitzt formuliert, als eine infantile Reaktion des menschlichen Typus „beleidigte Leberwurst“ der Meinungselite bezeichnet werden.

Umso wichtiger ist es für mich, die Arbeit der Presse nicht nur als Konsument, oder Moralwächter zu analysieren, sondern auch aus den verschieden wissenschaftlichen Perspektiven heraus (sprachlich, politisch, soziologisch usw.) zu betrachten und sich hierbei inspirieren zu lassen. Medienkompetenz sollte ein Leben lang trainiert und hinterfragt werden.

Die vorliegende Arbeit von Mirjam Zwingli unternimmt den Versuch einer wissenschaftlichen Analyse der Print-Presse aus linguistischer Sicht und betrachtet die tendenziösen Attributierungen bei politischen Themen.

Mit Hilfe empirischer Erhebung und linguistischer Auswertungen unterschiedlicher journalistischer Beiträge, gelingt es der Autorin aufzuzeigen, dass die analysierten Printmedien ihrem eigentlichen Auftrag der Neutralität bei weitem nicht gerecht werden. Zwar gibt ihr der Umfang einer Bachelor-Arbeit nur die Möglichkeit einer begrenzten empirischen Auswertung, hier stellvertretend FAZ und Süddeutsche, aber die aufgeführten Beispiele zeigen sehr deutlich, mit welchen Suggestiv-Methoden gerne in den meist gelesenen Print-Medien gearbeitet wird.

Das gewählte Eingangszitat von Brigadegeneral a. D. Dr. Heinz Loquai nimmt das Ergebnis der Analyse weitgehend vorweg:

„Kriegsopfer Sprache : Nicht die Rotationsmaschinen sind es, die in der Vorkriegszeit wirken, sondern es ist die Sprache. Krieg beginnt nicht erst, wenn geschossen wird und Bomben fallen. Zunächst wird immer eine Sprache für den Krieg erfunden, eine Sprache in der christlichen Dichotomie des (…), Gut gegen Böse… (…) Präsident Bush  ersann also seine Sprache des Bösen. Sobald eine solche hysterische Sprache erfunden ist, übernehmen alle dieses Vokabular, ohne die Folgen zu bedenken.”

Aber lesen Sie selbst, vor allem auf Seite 14-35 sind sehr einfache, aber genauso eindrucksvolle  Beispiele zu finden:

Obama wurde vor allem in folgenden Konnotationen beschrieben: u. a. Vision, Traum, Perspektiven, Überzeugung, sich verschreiben (einer Vision), Diplomatie, verwirklichen, hoffen auf, hoffnungsvoll, begeistert.

Putin wurde vor allem in folgenden Konnotationen beschrieben: Thesen, Großmachtgehabe, Knüppel-Demokratie, Machtmensch, Macho, Abwehrhaltung, Kalter Krieger, Revanche, Gasprom- Imperialismus, Moskaus Njet, aus Schule des KGB, Kampfrhetorik, drohen, angreifen, sich entgegenstellen, schwingen (das Kriegsbeil), auffahren lassen (Geschütze), ansetzen zu (rhetorischem Parforceritt), konfrontativ, berechnend, antiwestlich.

400.000 Studenten absolvieren pro Jahr in Deutschland einen Hochschul-Abschluss, das gibt 400.000 Abschlussarbeiten, die meisten davon lagern leider weitgehend ungelesen in den Archiven. Die Bachelor-Thesis von Frau Zwingli lohnt gelesen zu werden:

www.medienverantwortung.de/wp-content/uploads/2009/07/2014-Zwingli_BA_Putin-Obama.pdf